Die Geschichte vom Gelehrten Doktor Faustus, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht, um aus den Grenzen der Schuldoktrin auszubrechen und zu Erkenntnis zu gelangen, war Goethe vor allem aus den im 18. Jahrhundert weit verbreiteten Puppenspielen bekannt. „Die bedeutende Puppenspielfabel des Faust klang und summte gar vieltönig in mir wider“, heißt es in seiner autobiographischen Aufzeichnung „Dichtung und Wahrheit“. In der Tat hat Goethe durch die nunmehr neue Einsicht in das Gefühlsleben Fausts die holzschnittartige Gestalt der Faustbücher belebt und zur augenscheinlichen Charakter-Figur gehoben. So sieht man einen Menschen, welcher die Orientierung nach ‚drüben’ aufgegeben und die damit bislang verbundene Sinngebung des Lebens verloren hat. Dem Streben nach grenzüberschreitender Wahrheitsfindung wird durch Fausts Einsicht in sein Unvermögen, aus eigener Kraft zu Welterkenntnis zu gelangen, zunächst Einhalt geboten. Er sieht, „dass wir nichts wissen können“ und hofft, durch den Rückgriff auf Magie einen unmittelbaren Zugang zu den „Quellen des Lebens“ zu finden.