Der 73jährige Goethe entbrennt beim sommerlichen Kuraufenthalt für die neunzehnjährige Ulrike von Levetzow. Ulrike zeigt ihm ihre Sympathie, spricht und diskutiert mit ihm. Scherzhaft nennt er sie Contress von Levetzow, weil sie ihm beständig widerspricht. Sie beflügeln sich, der Dichterfürst und seine jugendliche Angebetete. Beider Herzen schlagen derartig in Ein-klang, dass sie bei einem Maskenball – unabgesprochen – als des Dichters Werther und dessen Lotte erscheinen.
Als Goethe durch den Großherzog um die Hand Ulrikes anhalten lässt, wird freundlich, aber hinhaltend geantwortet. Aber nicht nur kleinbürgerliches Denken stellt sich seiner Liebe in den Weg. Als ein dämonisch hinreißender Juwelenhändler um Ulrike freit, wird Goethe schmerzlich der Altersunterschied von 55 Jahren bewusst.
Martin Walser, einer der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart, erzählt von der Unmöglichkeit eines Begehrens, eines Wünschens wider besseres Wissen. Goethe, der Geheime Rat, die "Exzellenz", die ständig unter öffentlicher Beobachtung steht, verliert sich ganz an ein Gefühl.