Das Produkt

Mark Ravenhill

Willkommen im Movieland oder Das Spiel mit unseren Emotionen

 

 

„Ich kriege massenhaft Drehbücher. Das ist mein Job. Da stapeln sich Hunderttausende von Geschichten auf meinem Tisch, und die meisten sind – Seelenergüsse. Keiner begreift den Kern, das Wahre, die Wunde.“

 

Der erfolgreiche Produzent James ist versucht, die Schauspielerin Olivia für sein nächstes Filmprojekt zu gewinnen. Um ihr die Rolle der Hauptfigur Amy schmackhaft zu machen, lässt er in seiner Darstellung des Handlungsgeschehens nichts unversucht. Doch der Beginn dieses Abenteuers ist eben nicht der „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“, sondern die Aneinanderreihung von Vorurteilen gegen die islamische Welt – ein kompromissloses Spiel mit Klischees und fest eingebrannten Schreckensbildern. Das Drehbuch entpuppt sich als Missbrauch eines Mediums. Im schlichten Denkschema der Unterhaltungsindustrie lässt der Plot nichts unversucht, die bedingungslose Aufmerksamkeit des Publikums zu ködern.

 

Und das Geschäft mit dem Grauen läuft gut: bei der bildlichen Umsetzung von Angstszenarien wird an nichts gespart, doch auch Sex und Gewalt dürfen bei einem erfolgreichen Drehbuch nicht fehlen. Unversehens wird Amy – nicht zuletzt durch ihre plötzliche Gewaltbereitschaft – zur Heldin stilisiert. Das Spiel mit der aufgebauschten Emotion steigert sich in dramatisch-rührenden Szenen.

 

 

 

PREMIERE, Sonntag, 20.05.10, ZWEITE VORSTELLUNG, Sonntag, 20.06.10, jeweils 20.00 Uhr, Kammerspiele

 

"Wohl kaum jemand hat bislang gewagt, so schonungslos und aberwitzig komisch die Ängste und Vorurteile der westlichen Welt gegenüber dem Islam ans Tageslicht zu zerren."

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG 

 

"Eine süffisant-selbstironische, die schlichten Denkschemata der Unterhaltungsindustrie bloßstellende Mediensatire."

THEATER HEUTE

Regie: Ulrich Kunze
Ausstattung: Helge Ullmann
Dramaturgie: Gerda Binder
James, Ein Filmproduzent: Matthias Herold
Vorstellungen der Spielzeit:
11. September 2010