Wahnfried - Bilder einer Ehe

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von Reinhard Baumgart
Samstag, 30. November 2013
19.30 – 21:45 Uhr

 „Wir gründen alle eine große Friedensfamilie: die Kinder, die Hunde, die Vögel und die Mama – niemand wird mehr weggelassen – mit Liebe oder mit Gewalt behalte ich euch alle hier.“

 

Richard Wagner,  Zitat aus "Wahnfried"

 

Cosima von Bülow hat sich endgültig entschieden, ihr Leben von nun an mit Richard Wagner zu verbringen. Zusammen mit ihren Kindern zieht sie zu ihm nach Tribschen bei Luzern, in ein idyllisches Landhaus am Vierwaldstätter See. Vierzehn Jahre wird diese Gemeinschaft zwischen Cosima und Richard Wagner dauern, die Geburt des gemeinsamen Sohn Siegfrieds fällt in diese Zeit, der Bau des Festspielhauses in Bayreuth, die Entstehung des „Parsifal“ – und mit der „Villa Wahnfried“ das erste richtige, gemeinsame Zuhause. Eine „feste Burg“, in deren Garten die mittlerweile vermählten Wagners sich schon zu Lebzeiten ihr Grab anlegen – sie träumen von einem gemeinsamen Liebestod.

 

Die anfängliche Familienidylle währt jedoch nur einen kurzen Moment: „Was ist mit meinem Papa? Darf der auch hier wohnen?“ – mit ihrer Frage trifft Daniela bei ihrer Mutter Cosima einen wunden Punkt - Schuldgefühle gegenüber Hans von Bülow, ihrem ersten Mann, dem berühmten Wagner-Dirigenten, lassen sie nicht los. So drängen sich in die Zweisamkeit immer wieder störende Dritte – außer Bülow taucht der junge und sonderbare Professor Nietzsche der mit Wagner eine „Sternenfreundschaft“ sucht. Richard ist eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die Cosima ihrem Vater Franz Liszt entgegenbringt, der sich wochenlang in Wahnfried einquartiert. Begeistern kann sich Wagner dagegen für die schöne französische Journalistin Judith Gautier auch der „Orkan“ genannt, und Carrie Pringle Blumenmädchen im Parsifal. An Richards Affären zeigt sich, aus welchem Holz Cosima geschnitzt ist. Längst ist ihr die Kunst zur Religion geworden, für die sie Opfer ist und Opfer verlangt. Sie wird zum Motor des Festspielunternehmens, zum Öl der „Kompositionsmaschine“.

 

Regisseur Jan Steinbach lässt neben der ins szenische Geschehen integrierten Cosima eine zweite Cosima-Figur auftreten. Sie gibt den 47 Jahren, in denen die Wagner-Witwe Werk und Mythos weiterverwaltet, ein Gesicht und verweist, zusammen mit den Figuren der Kinder auf die Zukunft der Festspiele. Bühnenbildner Frank Albert gewann seine Inspiration aus architektonischen Elementen der "Villa Wahnfried", sowie dem Festspielhaus in Bayreuth. Entstanden ist eine Treppenlandschaft, die das Streben der Wagners nach Größe und Unendlichkeit widerspiegelt, in der die Figuren sich in den von Lisa Däßler geschaffenen, historisch inspirierten Kostümen bewegen und mit dem Raum zusammen als "Partitur des Lebens" die Plattform des berühmten Paares bilden.

Anlässlich des Wagner-Jubiläums 2013 ist das Stück in Meiningen erstmals auf einer Theaterbühne zu sehen (nach einer mit Otto Sander, Tatja Seibt und Christoph Waltz hochkarätig besetzten Verfilmung in den 1980er Jahren).



Regie: Jan Steinbach
Bühnenbild: Frank Albert
Kostüme: Lisa Däßler
Dramaturgie: Miriam Denger
Richard Wagner: Peter Bernhardt
Cosima Wagner 1: Chris Pichler
Cosima Wagner 2: Ulrike Barthruff
Judith Gautier: Anja Lenßen
Friedrich Nietzsche: Florian Beyer
Hans von Bülow: Harald Schröpfer
Daniela von Bülow: Mara Amrita
Siegfried Wagner: Lukas Benjamin Engel
Franz Liszt: Ingo Brosch
Ruß, ein Neufundländer / Hund: Matthias Herold
Carrie Pringle: Anne Rieckhof