Chordirektor Sierd Quarré

Der Meininger Theaterchor unter Leitung von Chordirektor Sierd Quarreé (Bildmitte, hinten zwischen den Säulen)

Der Meininger Theaterchor auf der Bühne vor den Kulissenzügen

Die lustige Witwe

Die Lustige Witwe

Die Lustige Witwe - Chor + Solisten

Die Macht des Schicksals - Chor der Franziskaner + Dominik Nekel

Die Lustige Witwe - Chor + Solisten

Die Macht des Schicksals - Befreiungskämpfer und Ganoven, vorne rechts Sang-Seon Wong als Alkalde

Die Macht des Schicksals - Soldaten der Befreiungsbewegung, Lars Kretzer als Chirurg + Solisten

Andrea Chenier - Das französische Volk revoltiert

Andrea Chenier - Das Volk will Köpfe Rollen sehen

Fidelio - Der Gefangenenchor

Andrea Chenier - Adelige Damen und Priester (Solist)

Andrea Chenier - Der Adel vergnügt sich an Schäferspielchen

Fidelio - Die Menschen dringen in das Gefängnis

Der Meininger Theaterchor als lebendes Piktogramm

Der Meininger Theaterchor

WIR SIND DER  C  H  O  R

 

Individuum und Gruppe - Nach dem Drama von Botho Strauss, "Der Schlusschor"

"Eine sorgfältig arrangierte Gruppe von Männern und Frauen unterschiedlichsten Alters formiert sich vor der Kamera, 'dem Auge des Reptils', wie einer von ihnen spöttelt und belauert den Fotografen. Dieser lässt das Rudel keine Sekunde aus dem Auge. Einzige Waffe: sein modernes Linsensystem. Der Fotograf ist nervös. Denn die augenscheinliche Ruhe in den Reihen der Choristen täuscht. Ein Zweckverband von Individualisten, die auch alleine bestehen könnten, gemeinsam aber zu gewaltiger Größe aufsteigen. Den strengen Gesetzen des Schwarms unterworfen, wird jede Regung des Individuums exakt kontrolliert. Ausbruchsversuche zwecklos. Da heißt es, 'Hiergeblieben! Keiner verlässt die Wabe. Fehlt einer, fehlt alles'. Eine gespannte Situation, 'Der Teufel steckt mitten im Miteinander' Kleine Beißereien bleiben da nicht aus. Da wird auch geflucht: 'Sie wären der Letzte, an dem ich gern die Schulte riebe', oder: 'Ich mach hier kein nachdenkliches Gesicht und Sie strecken auf demselben Bild Ihren Busen in die Luft'. Da aber macht der Fotograf den entscheidenden Fehler, eine kleine Unaufmerksamkeit: ein Mann wurde übersehen, war verstellt, 'wahrscheinlich von Anfang an'. Der Chor bäumt sich auf: 'Sie haben sich niemals auch nur eine Sekunde in einen von uns hineinversetzt!', 'Haben Sie überhaupt den Versuch unternommen, an uns das Wesentliche zu entdecken?' Auf und ab durch die Reihen läuft in Silben getrennt das Wort 'In-di-vi-du-al-i-tät'. Als sich der Porträtkünstler mit der Erklärung 'Ich fotografiere euch so lange bis ihr  e i n  Gesicht seid. Ein Kopf - ein Mund - ein Blick. Ein Antlitz!' zu distanzieren bemüht, setzt der Chor zum Sprung an. Erst knurrt es nur leise dann wird es dröhnend: 'Wir sind der Chor.' Nach einem kurzen Moment völliger Schwärze steht der Chor erneut zum Bild bereit in Position. Vom Fotografen aber gibt es nur noch die Schuhe."

So beschreibt der Dramatiker Botho Strauss in seinem Theaterstück „Schlusschor" die Dynamik und den Widerspruch zwischen Individuum und Gruppe, eben die Balance, die für den Erfolg des Theaterchores so wichtig ist.

           

Wie ist der Theaterchor aufgebaut, wie funktioniert er?

Beim Opernchor handelt es sich um ein geschlossenes größeres Ensemble innerhalb des Theaters, mit einer gewissen Hierarchie, einem gewählten Vorstand. Jeder einzelne Sänger des Chores schließt mit der Theaterleitung einen Vertrag ab, in dem die Tätigkeitsmerkmale genau fixiert sind.

Die zahlenmäßige Stärke des Theaterchores schwankt, sollte aber den Umfang von 25 Personen nicht unterschreiten, da für einen homogenen Chorklang eine gewisse Mindestzahl an Sängern pro Stimmgruppe vorhanden sein muss. Andernfalls lösen sich Einzelstimmen zu deutlich heraus. Der Chor gliedert sich in acht Stimmgruppen: je zwei Sopran-, Alt-, Tenor-, und Bassgruppen (S I/II, A I/II, T I/II, B I/II); und in jedem einzelnen Anstellungsvertrag ist die Zugehörigkeit zu einer dieser Stimmen festgelegt. Die volle Achtstimmigkeit wird jedoch selten benötigt. In der Regel herrscht Vierstimmigkeit vor, die durch gelegentliche - zumeist kurzfristige - Stimmenteilung zu einer fünfstimmigen Formation erweitert wird. In jenen Fällen besteht die Möglichkeit eines gewissen Austausches unter benachbarten Gruppen; am einfachsten und naheliegendsten ist diese Nachbarschaftshilfe zwischen den beiden Gruppen der gleichen Stimmgattung. Und deshalb besagen die Bedingungen des Anstellungsvertrages, dass jeder Sänger im Bedarfsfall in der anderen Gruppe seiner eigenen Stimmlage aushelfen muss, z.B. bei Ausfall durch Krankheit. Ein 1. Bass hilft also im 2. Bass aus und so fort.

Ebenfalls im Vertrag fixiert wird der Einsatz von Chormitgliedern in den kleineren Solopartien, entweder innerhalb des Chores (z.B. die Brautjungfern im „Freischütz" oder im „Fidelio" von Beethoven, der Erste und Zweite Gefangene).

 

Große Schlagkraft durch geschicktes Arrangement  

Zusätzlich zum fest angestellten Opernchor gibt es häufig noch den sogenannten Extrachor, der nicht zum Opernensemble gehört. Er wird als Verstärkung in großen zahlenmäßig anspruchsvollen Chorpartien eingesetzt - etwa in Opern von Verdi (z.B. „Macht des Schicksals") und Wagner (z.B. „Parsifal"), bei denen das Chorvolumen andernfalls, im Verhältnis zum Orchester, nicht ausreichen würde. Die Laienstimmen unterscheiden sich in Volumen, Umfang und Ausdrucksfähigkeit natürlich ganz merklich von den ausgebildeten Stimmen. Die klanglich unauffällige Einbindung in das feste Ensemble benötigt also ein großes Geschick des Chorleiters. Und auch bei den vielfältigen Darstellungsaufgaben innerhalb des Bühnengeschehens ergeben sich Schwierigkeiten, denn die - zwar theaterbegeisterten, aber bühnenunerfahrenen - Laiensänger sind es in den seltensten Fällen gewöhnt, sich vor einem Publikum auf der Bühne zwanglos und natürlich zu bewegen. Die Mitglieder des festen Chorensembles verfügen hingegen alle über eine einschlägige Vorbildung.

Der Chordirektor - ein im Spiel von Klavierauszügen routinierter Pianist, hat sich in Ausbildung oder Berufspraxis auf die Chorleitung spezialisiert: Seine Dirigierbewegungen unterscheiden sich deutlich von denen des Orchesterleiters. In der Regel arbeitet er ohne Taktstock - beide Hände gestalten den Chorklang und können so den vokal- und konsonantengeprägten Charakter des Singens direkter leiten und formen.  

 

Extreme Vielseitigkeit durch 1000 Gesichter

Die Gesichter des Theaterchores sind extrem vielfältig, ob als Seemans- oder Jungfernchor, Kinderchor oder Chor der Dienerschaft... Der  Erfolg der Musiktheater-Inszenierungen hängt entscheidend von der Strahlkraft der Ensemblemannschaft ab. Die Spielfreudigkeit geht dabei weit ins Schauspielerische wie Choreographische.

Auch wenn das Augenmerk oft den Solisten gilt. Das Theater, das ist der Chor!