Moskau–Petuschki

nach einem Roman von Wenedikt Jerofejew
Bühnenfassung von Martina Gredler
  • MOSKAU-PETUSCHKI: Reinhard Bock, Meret Engelhardt
    © Marie Liebig
Sonntag, 16. April 2017 __ 20.00 Uhr
8,00 – 10,00 €

O Vergänglichkeit! O kraftloseste und schändlichste Zeit im Leben meines Volkes – die Zeit vom Morgengrauen bis zum Öffnen der Geschäfte!” Wenitschka, ein heiliger Trinker russischer Art, ist in einem fremden Treppenhaus erwacht und macht sich auf die Suche nach dem dringend benötigten ersten Schluck. Am Kursker Bahnhof in Moskau wird er fündig und besteigt den Zug ins 120 Kilometer entfernte Provinznest Petuschki. Im Köfferchen das für die Fahrt unerlässliche Alkoholsortiment, Bonbons Marke Kornblume” für die Geliebte und 200 Gramm Nüsse für den Sohn.

Weil in diesem Buch so viel und nach allen Regeln der Kunst getrunken wird, wurde die subversive Botschaft oft übersehen. Derselbe Irrtum, nur mit umgekehrtem Vorzeichen, ermöglichte seine Erstpublikation in der siechen Sowjetunion: Dort erschien das russische Original 1988/89 während Gorbatschows Anti-Alkohol-Kampagne – in der Postille „Nüchternheit und Kultur“. Der zunehmende Rausch seines Helden diente dem Autor zur poetischen Verschlüsselung: Dessen Halluzinationen erlaubten ihm, die Grenzen von Raum und Zeit zu sprengen und Wenitschkas Martyrium mit der Passion Christi und der Apokalypse zu verschränken. „Ich habe viel erlebt, viel getrunken und durchdacht – und weiß, was ich sage.“ Einsteigen und mitreisen auf einer musikalisch-literarisch-philosophischen Fahrt nach Petuschki.

zurück zur Übersicht